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STROM- UND GASMARKTWie sich Europa mit Milliardenentlastungen gegen steigende Energiepreise stemmt

Stromrabatte, Preisobergrenzen, Steuersenkung: Die EU-Länder reagieren mit unterschiedlichen Maßnahmen auf die derzeitige Preisexplosion. Wer welche Instrumente nutzt und was das kostet.
16.02.2022 - 18:31 Uhr 1 Kommentar  

Europa stemmt sich mit Milliarden gegen steigende Energiepreise Quelle: Bloomberg
Gasherd


In Italien sind die Gaspreise für eine durchschnittliche Familie innerhalb eines Jahres um 93 Prozent gestiegen.


(Foto: Bloomberg)

Athen, Wien, Paris, Madrid, Stockholm, London, Rom Die Daten, die Italiens Energieregulierungsbehörde diese Woche veröffentlichte, sind alarmierend: Innerhalb eines Jahres sind die Strompreise für eine typische Familie um 131 Prozent gestiegen, die Gaspreise um 93 Prozent. Gleichzeitig kostet ein Liter Benzin mit 1,83 Euro so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Insgesamt ist es eine Mehrbelastung für Familien von rund 400 Euro pro Jahr.

Aber auch die Firmen leiden, vor allem im Dienstleistungssektor: Der Verband Confcommercio schätzt, dass die italienischen Hotels, Restaurants und Einzelhändler doppelt so viel für Energie ausgeben wie die französische Konkurrenz und bis zu 20 Prozent mehr als die deutschen Wettbewerber.

All die frischen Zahlen dürften Italiens Plan bestärken, die Verbraucher und Unternehmen erneut zu entlasten. Noch an diesem Freitag könnte die Regierung beschließen, im zweiten Quartal mindestens fünf Milliarden Euro direkt von den Strom- und Gasrechnungen abzuziehen. Für das erste Quartal wurden so bereits Entlastungen von 5,5 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.

Nicht nur in Italien drücken die Energie- und Strompreise auf den Aufschwung. In ganz Europa reagieren die Regierungen auf die Preisspirale, die sich durch Lieferengpässe und geopolitische Spannungen immer weiter hochgeschraubt hat.


Strompreis hält auch im Januar 2022 ein sehr hohes Niveau

Die Strompreise im Januar 2022 fallen gegenüber den Rekordpreisen aus dem Dezember 2021. Das Preisniveau an der Strombörse bleibt aber sehr hoch.

Die Strompreise im Januar 2022 fallen gegenüber den Rekordpreisen aus dem Dezember 2021. Das Preisniveau an der Strombörse bleibt aber sehr hoch.
Quelle: Presentermedia


Der durchschnittliche Strompreis an der Strombörse verbleibt im Januar 2022 auf hohem Niveau.
Voraussichtlich zwischen 15,5 Cent/kWh und 17,5 Cent/kWh wird der Base-Load-Preis im Januar 2022 gekostet haben.

Im Oktober 2021 lag der Durchschnittspreis an der Strombörse für Base-Load (24-Stunden-Lieferung) bei 13,95 Cent/kWh und der November-Wert betrug 17,615 Cent/kWh. Im Dezember 2021 wurde mit einem Durchschnitts-Strompreis in Höhe von 22,1 Cent/kWh ein neuer Rekord erreicht.

Negative Strompreise kamen im Januar 2022 lediglich an vier Stundenkontrakten vo

© Sergej Khackimullin / Fot



Strom lässt sich natürlich auch messen. Kilowattstunde ist dabei die bekannteste Größe. Es gibt aber noch weitere Einheiten, die andere Eigenschaften des Stroms messen. Häufig sind diese nach ihren Entdeckern benannt.

Die Basiseinheit Ampere als Maßeinheit für den Strom

Ampere (A) ist die Basiseinheit in der die elektrische Stromstärke angegeben wird, sprich, die Menge der durchfließenden Elektronen in einer bestimmten Zeit. Der Name Ampere geht zurück auf den französischen Mathematiker und Physiker André-Marie Ampére, der im 19 Jahrhundert lebte und sich mit den Zusammenhängen von Elektrizität und Magnetismus befasste sowie ein Gerät zur Messung des Stroms konstruierte.

Was ist eigentlich ein Volt?

Der Begriff Volt (V), wurde nach dem italienischen Physiker Allessandro Volta benannt. Er ist die Maßeinheit für die elektrische Spannung. Eine Spannung von einem Volt liegt dann vor, wenn zwischen zwei verschiedenen Punkten eines Leiters, bei einer Stromstärke von einem Ampere, zwischen beiden Punkten die Leistung von einem Watt umgesetzt wird. Aus der gewöhnliche Steckdose im Haushalt beispielsweise kommt Strom mit einer Spannung von 230 Volt.

Elektrischer Widerstand wird in Ohm gemessen

Unter Ohm versteht man ebenfalls eine Maßeinheit, in diesem Fall, die des elektrischen Widerstands. Benannt ist das Ganze nach dem deutschen Physiker Georg Simon Ohm. Das nach ihm benannte ohmsche Gesetz stellt einen Zusammenhang zwischen der Spannung (gemessen in Volt) und dem daraus resultierenden Strom (gemessen in Ampere) dar.

Kilowattstunde - Das Übel auf der Stromrechnung

Wenn wir im Alltag von Kilowattstunde sprechen, dann reden wir eigentlich über eine Energieeinheit. Das Ganze lässt sich zurückführen auf die sogenannte Wattstunde (Wh). Selbige ist eine Maßeinheit, die angibt, wie viel Energie, innerhalb einer Stunde, von einer Maschine, die mit einer Leistung von einem Watt (W) arbeitet, aufgenommen oder abgegeben wird. Watt wiederum ist ebenfalls eine Maßeinheit, die nach dem schottischen Erfinder James Watt (1736-1819) benannt wurde. Sie bezeichnet den Wert einer bestimmten Menge an Energie über eine gewisse Zeit (Energie pro Zeit). Watt als Einheit der Leistung unterscheidet sich natürlich von der Wattstunde als Energie-Einheit. Der bei uns gebräuchlichere Begriff der Kilowattstunde, in dem vor allem Strom- und Heizkosten abgerechnet werden bedeutet ganz einfach das Tausendfache einer Wattstunde (griech.: Kilo = Tausend).

Seit 1998 kann man den Stromanbieter wechseln

Ihr gemeinsames Kennzeichen: Sie versorgen Dritte (z.B. Industrie und private Haushalte) mit Energie. Ein Teil von ihnen betreibt zudem das Stromnetz. Vor der Öffnung der europäischen Strommärkte arbeiteten die deutschen Stromanbieter in einer Monopolwirtschaft, d.h. es gab keinerlei Wettbewerb und für jeden Kunden gab es nur einen zuständigen Stromanbieter . Seit der Liberalisierung 1998 können die deutschen Verbraucher ihren Stromanbieter frei wählen. Seither konkurrieren die Stromanbieter um die Stromkunden. Ausschlaggebendes Kriterium für die Wahl eines neuen Stromanbieters ist noch immer der Preis, allerdings spielt zunehmend auch die umweltpolitische Ausrichtung des Unternehmens eine große Rolle. So gewannen nach dem Unglück von Fukushima die Anbieter von  viele neue Kunden.

Neue Stromanbieter sind preislich interessant

Die Stromanbieter-Landschaft hat sich denn auch seit Beginn des Wettbewerbs verändert. Einige Stadtwerke wurden von großen Unternehmen gekauft, andere schlossen sich zusammen. Insgesamt haben sich die etablierten deutschen Stromanbieter gut behauptet, hier gab es auch im Wettbewerb kaum finanzielle Probleme. Anders bei den neuen Stromanbietern. Insbesondere in den ersten Wettbewerbsjahren gab es einige Pleiten, die die Verbraucher sehr verunsichert haben. Aber auch hier hat sich der Markt konsolidiert, die neuen Stromanbieter, die den Verbrauchern preislich auch die bei weitem interessantesten Stromangebote unterbreiten, arbeiten größtenteils sehr zuverlässig. Insgesamt haben die deutschen Stromanbieter weit weniger von ihrer Macht verloren, als sie bei der Einführung des Wettbewerbs befürchtet hatten. Ihre Interessen werden nach wie vor sehr erfolgreich vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin vertreten.

Stromanbieter-Vergleich: Was ist zu beachten?

Neben dem Preis sollte man bei der Wahl eines Stromanbieters auch einen Blick auf andere Tarifkriterien werfen. Eine möglichst lange Preisgarantie ist auf jeden Fall von Vorteil, auch lohnt sich ein Blick auf die Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist. Je kürzer diese beiden Fristen sind, desto besser - denn dann kann man jederzeit auf Preisschwankungen auf dem Strommarkt reagieren und erneut den Stromanbieter wechseln .  Zudem gibt es viele Stromanbieter, die Neukunden einen einmaligen Bonus anbieten. Sie können im Stromrechner auswählen, ob der Bonus bei der Berechnung der Gesamtkosten berücksichtigt werden soll oder nicht.

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Die Ursachen sind verschieden. Doch in den jüngsten Beispielen mit Neckermann Strom und Stromio ist der Sachlage recht eindeutig. Besonders kleine und mittelgroße Energieversorger leiden unter den aktuell hohen Preisen an den Strommärkten. Es kommt zu Liquiditätsschwierigkeiten, teils zur Zahlungsunfähigkeit. Seit Oktober 2021 zogen das Hamburger Unternehmen Smiling Green Energy und der Brandenburger Strom- und Gasspezialist Otima Energie AG die Reißleine. Lition, Fulminant Energie und die Dreischtrom GmbH gaben in den Wochen darauf ihre Insolvenz bekannt.

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